“Das Allerwichtigste, was ein Coachee mitringen sollte, ist den Willen, wirklich etwas zu verändern”

On 19. Mai 2014 by Jens Jannasch

Business-Coach Jens Jannasch im Interview,

Teil II

 

Vor kurzem hat Jeannine Koch den 1. Teil des Interviews veröffentlicht. Gestern Abend ist der zweite Teil erschinen.

Wenn der Coachee den Coach interviewt: ein Feedback der anderen Art.

Lesen sie Hier das komplette Interview.

Teil III folgt :-)

 

Wer privat oder beruflich in einer Sackgasse steckt, oder einfach einmal eine neue Sichtweise auf Dinge des täglichen Lebens benötigt, geht entweder zur besten Freundin, zum Kumpel aus der Schulzeit oder aber holt sich professionelle Hilfe, zum Beispiel durch ein gezieltes systemisches Business-Coaching.

 

 

Jens Jannasch, zertifizierter Business-Coach, 38 Jahre alt und Vater einer dreijährigen Tochter, lebt gemeinsam mit seiner Freundin in Berlin, wo ich mich mit ihm zum Interview traf. Im ersten Teil des Interviews sprachen wir unter anderem über seine eigene bewegte Jobgeschichte, über berufsbegleitende Weiterbildungen, über den Ablauf eines Coachings und was man als Coachee zu ersten Stunde eigentlich mitbringen sollte. Zudem wollte ich mehr über seine Bewegründe als Business-Coach zu arbeiten, erfahren. Im zweiten Teil geht es vor allem darum, wie ein Business-Coaching genau abläuft und mit welchen Themen und Fragen man bei Jens richtig und gut aufgehoben ist.

 

Jeannine: Wie genau läuft denn so ein Coaching ab?

 

Jens: Der Coachee kommt in der Regel mit einem speziellen Problem zu mir. Dieses Problem sollte in eine Fragestellung umgewandelt werden. Die Fragestellungen sind teilweise sehr allgemein und lauten dann zum Beispiel: „Wo soll´s zukünftig beruflich hingehen“? oder „Was kann ich?“. Jeder Coachee kann jedoch ebenfalls mit einer sehr speziellen Frage starten. Dann kann man eine Fragestellung für jede einzelne Sitzung definieren, dies dient am Ende einer Sitzung auch als Erfolgsmessung für den Coachee. Es gibt auch Hausaufgaben auf, die man entweder bis zur nächsten Sitzung oder aber bis zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt erledigt haben sollte. Aber das Allerwichtigste, was ein Coachee mitbringen sollte, ist den Willen, wirklich etwas ändern zu wollen, und damit dann auch die Bereitschaft und die nötige Zeit daran zu arbeiten.

 

Jeannine: Wie viele Sitzungen benötigt man denn pro Fragestellung etwa?

 

Jens: Zwischen sechs und acht Sitzungen sind es etwa, aber das kann man nicht pauschalisieren. Es sollte keine Langzeitgeschichte daraus werden, sonst besteht die Gefahr, sich auch als Coach in dieser Fragestellung nicht mehr abgrenzen zu können. Aber auch hier kann man nicht pauschalisieren. Ich kenne Coaches, die begleiten ihren Coachee seit längerer Zeit- mit wechselnden Fragestellung

 

Jeannine: Was sind für dich „Lieblingsfälle“, also Fragestellungen, die für dich auch immer wieder eine Herausforderung darstellen?

 

Jens: Alles rund um die Entscheidungsfindung! Das ist wahnsinnig spannend, weil es eine Grundlage gibt und man anhand dessen herausfinden kann, warum da eigentlich zwei Positionen gegeneinander stehen (was am Ende manchmal auch gar nicht mehr der Fall ist!). Außerdem gibt es hierfür ein tolles Tool, was fantastisch funktioniert, das Tetralemma – es macht einfach Spaß damit gemeinsam mit dem Coachee die mögliche(n) Lösung(en) zu erarbeiten.

 

Jeannine: Inwiefern grenzt sich Coaching von Therapie ab?

 

Jens: Es gibt Coachingsettings, da ist es eine Gratwanderung. Aber generell sollte ein guter Coach auf Grund seiner Vorerfahrung und Empathie die Grenze zwischen Therapie und Coaching erkennen und auch seine eigenen Grenzen erkennen und ggf. Coachingsettings abbrechen. Es darf auf keinen Fall passieren, dass ein Coach Laienpsychologie betreibt. Das sind komplett unterschiedliche Bereiche und Ausbildungsniveaus. Es gibt auch die Meinung in Fachkreisen, dass Menschen mit psychischen Einschränkungen von Nichtpsychologen nicht gecoacht werden sollten. Das finde ich eine pauschalisierte Ausgrenzung. Auf Grund meiner Erfahrung im Bereich mit psychisch erkrankten Menschen kann ich zum Beispiel die Grenzen gut erkennen. Ich hatte mehrere Coachees, die begleitend zum Coaching in Therapie waren. Das war eine sehr sinnvolle und effektive Ergänzung. Die Themen, welche im Coaching zum Beispiel in einer Aufstellung aufgekommen sind, wurden parallel in der Therapie besprochen. Wir haben uns in den Settings zum Beispiel um die berufliche Perspektive gekümmert, während die Therapie die Hintergründe bearbeitete. Um hier Grenzen gut und schnell erkennen zu können, sollte man sich stetig weiterbilden. Die Fortbildung „Psychopathologie für Coaches“ gibt hier zum Beispiel einen ersten Einblick in die Thematik.

 

Jeannine: Was hat dir die Weiterbildung zum Business-Coach persönlich gebracht?

 

Jens: Ich habe größeres Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen erhalten und dabei meine eigenen Stärken und Schwächen besser kennengelernt. Zum Beispiel habe ich über mich gelernt, dass für mich Verbindlichkeiten eine sehr große Rolle spielen und, dass ich im Berufsleben nicht mit Kollegen und Vorgesetzten klar komme, die jeden Tag ihre Aussagen und Meinungen ändern oder Unwahrheiten verbreiten. Im beruflichen und auch privaten Alltag muss man jedoch lernen damit umzugehen. Man kann die anderen nicht verändern. Diese Erkenntnis hat sehr gut getan und einiges in meinem Leben erleichtert. Eine andere Erkenntnis in der Ausbildung war, dass ich eine sehr hohe „Empathiefähigkeit“besitze. Also Dinge wahrzunehmen und auszusprechen, die einem an dem Gegenüber auffallen, wie Körperhaltung, Stimmlage, Finger knacken, Atemgeschwindigkeit etc. Ich dachte, dass das jeder hätte und dies demnach eine Selbstverständlichkeit sei.

Jeannine: Warum sollten Coachwillige zu dir kommen?

 

Jens: Allgemein gesagt: Ein Coachee steht für mich immer im Mittelpunkt! Er muss sich bei mir nicht verstellen, denn ich bin selbst authentisch und durch meine emphatischen Fähigkeiten würde ich dies sowieso sofort erkennen. Ich habe mein Studium im fünften Semester abgebrochen und bin seither diesen Weg als Job Coach und nun auch als Business-Coach gegangen – dies war vielleicht nicht die einzige Option, aber für mich die beste! Und genau diese, für jeden einzeln betrachtet, „beste Option“, möchte ich mit dem Coachee gemeinsam erarbeiten.

 

Jeannine: Was ist deine persönliche Perspektive hinsichtlich deiner Tätigkeit als Coach?

 

Jens: Dass sich meine Tätigkeit als Business-Coach langfristig genauso gut in den beruflichen Tagesablauf integrieren lässt wie jetzt und, dass ich viele Coachees weiterhin bei der Lösung ihrer Probleme unterstützen kann.Und natürlich viele positive Feedbacks auf der Website, hahahahahaha…

 

Jeannine: Danke Jens, für das interessante Gespräch und die Darlegung deiner Beweggründe als Business-Coach zu arbeiten. Vor fast zwei Jahren war ich selbst einmal Coachee bei dir und kann nur sagen, dass mir diese Settings extrem weitergeholfen haben. Mehr hierzu in einem der nächsten Blogposts!

 

Über die Autorin:

Die gebürtige Berlinerin Jeannine Koch (geb. Bahrke) ist diplomierte Medienberaterin. Im August 2010 beendete sie am Institut für Sprache und Kommunikation an der TU Berlin ihr Studium. In ihrer Abschlussarbeit behandelte sie das Thema „Über den öffentlichen Umgang mit privaten Daten am Beispiel Facebook“. Zudem studierte sie Anglistik/ Amerikanistik und Neuere Deutsche Philologie an der HU und TU Berlin sowie International Communication an der Macquarie University in Sydney, Australien. Nach ihrer Rückkehr 2009 arbeitete sie als Werkstudentin in der Telekom Dependance „Products & Innovation“ in Berlin und verantwortete bis Oktober 2010 den Bereich Social Media des Online TV Guides „tvister“. Von 2010 bis 2011 war sie Head of Marketing & Communications des Berliner Schuhlabels ZEHA Berlin. Seit 2012 ist sie bei der IGA Berlin 2017 zuständig für die Bereiche Marketing & Communications.

 

www.jeanninekoch.de

Foto (C) Florian Dietrich

 

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